glanz oder gar nicht

Schmuckunikate für den Neo-Steinzeitmenschen

Je digitaler unsere Welt, je mehr Informationen uns zur Verfügung stehen, desto größer scheint eine Sehnsucht

nach Ursprünglichkeit und Einfachheit in den Menschen zu wachsen.

Aktuelle Lifestyletrends zeigen es auf: nie war die Steinzeit moderner als heute. Eine Epoche der Rückbesinnung

hat begonnen. Der Neo-Neandertaler hält Einzug in unser Leben. Es entstehen neue Bewegungen: die Steinzeit-

Ernährung Paleo wird chic, Menschen beginnen ihre Körper in der Natur zu stählen, indem sie Baumstämme

schultern und Felsbrocken durch dichte Wälder hieven. Der Jahresurlaub wird für viel Geld in Sommercamps für

Erwachsene verbraten: gemeinsam über heiße Kohlen laufen, Bogenschießen lernen und überhaupt: Wie mache

ich eigentlich selber Feuer? Unsere Vorfahren, der Steinzeitmensch, wird Vorbild für etwas verloren Geglaubtes.

All diese Survival-Abenteuer und Versuche, das eigene moderne, urbane Leben mit einem Hauch Ursprünglich-

keit sinn- und lustvoll neu zu verknüpfen, werden selbstredend von Apps und Internetangeboten begleitet. Dabei

hat der ewige Begleiter Smartphone in den archaisch anmutenden, durchgehend ausgebuchten, Digital-Detox-

Camps absolutes Hausverbot. Hier wird digitaler Entzug geübt.

Mit meinen Schmuckobjekten versuche ich, diese Sehnsucht der Menschen nach Abenteuer und Rohheit zu stillen und

kokettiere ein wenig mit den modernen Auswüchsen einer Digital-Native-Generation, die die Nähe zum echten

Leben mittels Apps und Smartphone suchen und, komischerweise, auch finden!

Meine Schmuckobjekte sind aus verschiedenen Produktionsstadien des Flachs gefertigt, die älteste von Menschen

genutzte Pflanzenfaser, die bei Ausgrabungen bislang nachweisbar war, und unbehandelten Schwemmhölzern,

deren Formen an die ersten Schmuckstücke der Menschheit erinnern- dem Eiszeitschmuck.

Die Acrylelemente spielen durch ihre glatte, reine Erscheinung mit der Oberfläche eines Smartphones und

dienen als symbolisches Substitut zum mobilen Endgerät. Verbunden werden die Elemente durch die Verwendung

von Birkenpech, dem ersten Alleskleber, der schon den Steinzeitmenschen beim Bau ihrer Werkzeuge diente.

Der Schmuck verströmt beim Tragen den rauchigen Geruch des Birkenpechs und den erdigen Duft der Flachsfasern

und lässt den ungewöhnlich geschmückten Menschen von Wildnis, Abenteuer und archaischer Ursprünglichkeit träumen.
Ein Hauch Steinzeit am Körper.

ins grüne | paarweise

Ins Grüne ist eine Open-Air-Ausstellung im Park des Focke-Museums in Bremen und findet alle zwei Jahre statt.
Unter dem Thema Paarweise stellten über 50 Mitglieder des AKB, Angewandte Kunst Bremen, am 21. August

2010 ihre aktuellen Arbeiten aus. Antje Obreiter, selbstständige Goldschmiedemeisterin aus Bremen, lud mich

ein, gemeinsam für diese Ausstellung eine neue Schmuckkollektion zu entwerfen und zu gestalten.

Inspiriert von der Fernsehserie Mad Men entwickelte ich männliche Silhouetten, die ich in Grafiken und Zeich-

nungen übersetzte. Für die Umsetzung habe ich mich intensiv mit der Technik des Silberätzens auseinander-

gesetzt. Mit Salpetersäure habe ich meine Zeichnungen und Grafiken auf das Silber übertragen können und so

entstanden dezente und feine Motive auf Silberblech, welche nur im Spiel von Licht und Schatten für den

Betrachter zu entdecken sind- quasi auf den zweiten Blick. Für den ersten Blick wurden einige Schmuckstücke

von der Goldschmiedin mit farbiger Emaille versehen.

 

Eine Herausforderung war die Lösung der Frage, wie unser kleinteiliger Schmuck im Rahmen einer weitläufigen

Parkanlage zur Wirkung kommen kann. Damit wir die Aufmerksamkeit der Gäste auf uns lenken konnten, habe ich

den Schmuck auf einer gedeckten Tafel präsentiert. Keine Speisen, sondern feine Schmuckstücke lagen auf den

Tellern. Eine weitere Fernwirkung konnte ich durch spezielle Schmuckaufsteller erzielen, die ich selber im

Siebdruckverfahren angefertigt habe. Unser Präsentationsstand war sehr gefragt und das Feedback der Gäste

war durchgängig positiv.